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Offener Brief des ERC Sonthofen 1999 e.V. zur kritischen Zukunft des Sonthofner Eishockeysports
10.07.2026 - 15:27 - Vereine - ERC Sonthofen - veröffentlicht von Norman Flaake - Verfasser: Presse ERC Sonthofen

Sehr geehrte Frau 1. Bürgermeisterin Neusinger,

sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates der Stadt Sonthofen,

ich möchte Ihnen sowohl im Namen des gesamten Vorstandes als auch persönlich zur Wahl gratulieren und Ihnen für die kommende Wahlperiode immer die richtigen Entscheidungen für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger wünschen.

Den Beginn der neuen Legislaturperiode möchte ich zum Anlass nehmen, Ihnen unser Anliegen und insbesondere unsere große Enttäuschung über die absolut unbefriedigende Situation hinsichtlich unserer Spielstätte und darüber, wie sich die Stadt dazu aktuell verhält, mitteilen.

Wir sind als Vorstand im Jahr 2020 neu angetreten, um den Verein und den Standort zu erhalten und uns dafür einzusetzen, dass der Eishockeysport in Sonthofen langfristig eine Zukunft hat. Wir verstehen uns dabei als elementarer Bestandteil der Sportfamilie unserer Stadt und wollen auch unseren Teil zum gesellschaftlichen Zusammenhalt der Stadt beitragen. Wir freuen uns, wenn wir in der Eishalle unseren Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zur Ausübung des Sports mit unseren lizenzierten Trainern ermöglichen und jedes Wochenende eine sportliche Großveranstaltung durchführen können, die gleichzeitig auch ein sozialer Treffpunkt für alle Gemeindebürger ist. 

Die Stadt profitiert neben dem erweiterten Sportangebot auch wirtschaftlich. Wir achten darauf, dass alle unsere Ausgaben zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes und des Vereinslebens bei örtlichen bzw. regionalen Lieferanten getätigt werden. Wir sind dabei auch in der derzeit schwierigen Zeit ein verlässlicher Partner der heimischen Wirtschaft.

Dies alles führen wir ehrenamtlich, gerne und mit großem Engagement durch.

Ausdrücklich bedanken möchte ich mich im Namen des gesamten Vorstandes als auch persönlich bei Ihren Mitarbeitern sowohl in der Verwaltung als auch im Eisstadion. Diese stehen uns immer mit Rat und Tat trotz der vorhandenen Einschränkungen zur Verfügung.

Nun zu unserem Anliegen:

Wie Ihnen allen bekannt ist, befindet sich das Eisstadion in einem nicht mehr zeitgemäßen – um es ehrlich auszudrücken -maroden- Zustand. Seitens des vormaligen Bürgermeisters Wilhelm und des vormaligen Stadtrates wurde deshalb eine Machbarkeitsstudie über den Umbau des Eisstadions in Auftrag gegeben. Wir wurden als relevanter Nutzer der Anlage dankenswerterweise beteiligt. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie wurde durch Herrn Wilhelm den Bürgern öffentlich vorgestellt. 

Lassen Sie mich zu zwei wesentlichen Punkten aus der Studie zitieren:

Zum Ist - Zustand des Daches wird folgendes ausgeführt:

„Aufgrund des Alters des Daches sind einzelne undichte Stellen vorhanden, die geschlossen werden müssen. Außerdem muss der Korrosionsschutz überarbeitet werden und die Schraubverbindungen nachgezogen bzw. kontrolliert werden. Auf dem Dach ist weder eine Blitzschutzanlage noch eine Absturzsicherung vorhanden. Diese müssen gemäß Arbeitsstättenverordnung montiert werden“.

Zur baurechtlichen Situation:

„Ein komplettes Brandschutzkonzept (über die Fluchtwegsituation hinaus) ist nicht vorhanden. Die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer gesamthaften baurechtlichen Genehmigung der Eishalle wurde in einem Termin mit dem Landratsamt mehr als deutlich. Eine Nutzungsuntersagung zum Betrieb der Eishalle ohne diese gesamthafte baurechtliche Genehmigung steht im Raum“.

Wegen der Umsetzung der Sanierung fand im September 2025 eine Besichtigung anderer Standorte, die bereits erfolgreich ihre Anlagen ersetzt bzw. modernisiert hatten, statt. Ich hatte dort die Gelegenheit, dem vormaligen Stadtrat die aus unserer Sicht notwendigen Rahmenbedingungen darzustellen. Auch wurde dort nochmals durch das beauftragte Architekturbüro eine weitere Variante im Rahmen der Machbarkeitsstudie vorgestellt.

 Beide Varianten kamen - trotz des aktuellen Zustandes der Anlage - zu dem Ergebnis, dass eine Modernisierung der Eishalle in Sonthofen realisierbar ist.

Leider kam es – und dies ist für uns sehr enttäuschend – bis jetzt weder zu dem Grundsatzbeschluss des Stadtrates, dass die Modernisierung und der Umbau des Stadions auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie in einer der beiden Varianten erfolgt noch haben wir bis jetzt sonst irgendeine Information erhalten, die uns in die Lage versetzt, von einer planbaren Zukunft ausgehen zu können.

Im Gegenteil: Die derzeit vorhandenen Zustände der Eishalle lassen eine seriöse Planbarkeit eines geordneten Spielbetriebes sowohl des Nachwuchses als auch der Seniorenmannschaften nicht mehr zu.

 Ich möchte Ihnen hierzu folgende Beispiele nennen:

1.

Wie Ihnen bekannt ist, wurde aufgrund eines Bescheids des Landratsamtes Oberallgäu am 20. Dezember 2024 ein Hauptteil der Sitztribüne gesperrt. Wir mussten mit dieser Situation trotz laufenden Spielbetriebs kurzfristig leben, eine Freigabe der Tribüne erfolgte kurz vor den Play- Offs, allerdings befristet bis zum Ende der Saison 2024/2025. Auf eine mündliche Zusage von Herrn Wilhelm wurde bestätigt, dass die Tribüne auch in der Saison 2025/2026 genutzt werden kann.

Eine Information, ob die Tribüne auch in der kommenden Spielzeit genutzt werden kann bzw. gesperrt ist bzw. eine neuerliche Sperrung droht, liegt uns bis jetzt nicht vor.

2.

Während der Saison 2025/2026 kam es aufgrund des Alters – was ebenfalls seit Jahren bekannt ist – zum Ausfall der Stadionuhr. Erst, nachdem wir in den Raum gestellt hatten, unsere Zahlungsverpflichtungen wegen der nicht vorhandenen Funktionstüchtigkeit der Uhr

einzustellen, wurde bis zum Ende der Saison 2025/2026 eine andere Uhr montiert. Diese Uhr ist zwischenzeitlich wieder abgebaut. 

Uns liegt keine Information vor, ob eine dauerhaft funktionstüchtige Stadionuhr für die kommende Spielzeit zur Verfügung steht.

3.

Wegen der baulichen Mängel an der Westtribüne wurde der dortige Zuschauerbereich durch das Landratsamt Oberallgäu gesperrt, da im dortigen Bereich keine Wellenbrecher angebracht werden können. Auch dieser Zustand ist seit Jahren bekannt. Er wird seitens der Stadt so akzeptiert.

 Für uns hat dies zur Folge, dass die Zuschauerkapazität um 12 % bzw. 200 Zuschauer verringert worden ist. Dies bedeutet für uns – zumindest in den Derbys und den Entscheidungsspielen zum Saisonende -einen nicht unerheblichen Umsatzverlust mit der damit einhergehenden Einschränkung unserer wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten.

Diese Aufzählung ließe sich um viele weitere Punkte, die uns in unserer alltäglichen Tätigkeit erheblich einschränken und ausschliesslich dem auch Ihnen bekannten unzulänglichen Zustand des Eisstadions geschuldet sind, erweitern.

Wegen der aus unserer Sicht bestehenden unsicheren Situation sehen wir aktuell die Grundlage einer gesicherten Existenz unseres Vereines und damit auch des Eishockeysports in der Sportstadt Sonthofen in der Zukunft nicht mehr als gegeben an.

Wir appellieren daher an Sie, auf der Grundlage der vorliegenden Tatsachen den Grundsatzbeschluss über die Modernisierung der Eishalle – der von Herrn Wilhelm und dem vormaligen Stadtrat zugesagt worden ist – zeitnah zu fassen.

Nur ein solcher Beschluss versetzt uns in die Lage, die Planungssicherheit zu haben, die Sie allen anderen Sportvereinen in Sonthofen- im Gegensatz zu unserem Verein- aktuell gewährleisten.

Der aktuelle Vorstand wird sich in diesem Fall auch in der Zukunft mit dem gleichen Engagement einsetzen, daß der Eishockeystandort Sonthofen in der Form, wie Sie es bisher gewohnt waren und sind, fortgeführt wird und noch hoffentlich viele Eishockeyfeste an der Hindelanger Strasse gefeiert werden können.

Uns ist hierbei bewusst, dass es sehr viel Kraftanstrengung bedeutet, die anstehenden Investitionen im städtischen Haushalt darzustellen und umzusetzen.

Gleichwohl handelt es sich beim Eisstadion nicht nur um die von uns genutzte Sportstätte. Es handelt sich auch um einen sozialen Treffpunkt der Stadt im Rahmen des Breiten- und Schulsports, ganz zu schweigen von dem touristischen Alleinstellungsmerkmal im südlichen Oberallgäu.

Wie schade wäre es, wenn in der Eishalle plötzlich keine Kinder und Jugendlichen mehr über das Eis fahren und am Freitag bzw. Sonntag in den Wintermonaten in den Sonthofer Familien abends nicht mehr gesagt wird: „Zieh Dich an, wir gehen jetzt zum ERC“.

Sonthofen, den 09. Juli 2026

 
 
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